Weihnachtsgruß 2021 - Deutscher evangelischer Küsterbund

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Weihnachtsgruß 2021

Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns. Und wir sahen seine Herrlichkeit.
Joh.1,14

Liebe Mitglieder und Freunde des DEK! Liebe Küsterinnen und Küster!

Noch kürzer geht es wirklich nicht mehr. Die ganze Weihnachtsgeschichte auf zwei kurze Sätze eingedampft. Dem Evangelisten Johannes sind die Umstände der Geburt Jesu wohl nicht so wichtig. Ihm ist nur wichtig, dass Gott als Mensch auf die Erde gekommen ist und als Mensch unter und mit den Menschen lebt. Das drückt er in dem ersten Satz aus. Kurz und bündig, ohne Engel, ohne Stern, ohne Könige oder Hirten. Auch ohne ein großes Halleluja oder eine Friedensbotschaft. Einfach so: Gott kam und war da.

Und dann der zweite Satz: „Und wir sahen seine Herrlichkeit.“ Wirklich? Meint Johannes das ernst oder ist das nur eine fromme Formel um der Geburt dieses Kindes etwas Besonderes zu geben? Wer ist denn mit dem „wir“ gemeint? Wer soll den die Herrlichkeit Gottes gesehen haben? Maria etwa, die in einem dreckigem Viehstall ihr Kind zur Welt bringen musste? Die Hirten, die gezwungen waren mit den Tieren auf dem Feld zu schlafen? Oder die drei reichen Männer aus dem Ausland, die den Machtwille und die ganze Brutalität des örtlichen Königs demonstriert bekamen?
Überraschender Weise: Ja! Alle diese Menschen, genau wie noch viele nach ihnen, sahen oder spürten, die Herrlichkeit Gottes wenn sie mit Jesus in Kontakt kamen. Sogar die Soldaten, die ihn Karfreitag auf Befehl der Obrigkeit hinrichteten.
Gerade die Geburt Jesu bringt eben auch den Funken der Herrlichkeit Gottes zum leuchten. Von Maria und den Hirten lesen wir (Lukas 2, 19+20) „Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.“ Auch die Sterndeuter spürten Gottes Nähe: (Matthäus 2, 10+11) „ Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und sahen das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf ...“
„Und wir sahen seine Herrlichkeit.“

Durch die Verwendung des Wortes „wir“ wird der Kreis der Menschen, die Gottes Herrlichkeit sehen, noch viel größer. Johannes hätte ja auch schreiben können: Sie sahen seine Herrlichkeit. Er schreib aber: „Und wir sahen seine Herrlichkeit.“ Mit dem „wir“ sind wir alle eben mit eingeschlossen. Wir – alle Christen: Du und ich, sie und er. Eben wir alle.
Da kommen mir doch schon erhebliche Zweifel: Wann habe ich denn schon mal etwas von Herrlichkeit Gottes gespürt? Wenn ich mich heute realistisch in der Welt umschaue, dann sehe ich eher Schwarz. Ihr kennt selbst die großen Probleme unserer Welt und die kleinkarierten, oftmals auch absichtlich herbei geführten, Streitigkeiten der Menschen auch in unseren Umfeld, auch in unseren Gemeinden. Genau in den kleineren und größeren grauen Schatten oder dunklen Stellen in unserm alltäglichen Leben kommen plötzlich Funken der Herrlichkeit Gottes zum aufleuchten. Wenn wir durch unsere Arbeit als Küsterinnen oder Küster einer Familie einen Abschied von einem geliebten Menschen erträglicher machen können. Oder wenn wir durch ein Gespräch jemanden weiter helfen konnten. Oder wenn die Menschen durch einen Gottesdienst oder ein gutes Konzert von ihrem stressigen Alltag Abstand gewinnen konnten. Immer dann blitzt ein kleines Stück der Herrlichkeit Gottes durch unseren Dienst in der Gemeinde auf. Nicht weil wir als Menschen so toll wären, sondern weil Gott uns als Menschen braucht anderen immer wieder einen, wenn auch bescheidenen, Ausblick auf die zukünftige Herrlichkeit Gottes zu geben. Denkt das nächstes Mal daran, wenn sich jemand bei Euch für einen gelungenen Gottesdienst, ein wunderbares Konzert oder vielleicht auch nur für die offene Kirche bedankt, in der er/sie eine Kerze anzünden konnte: Die Menschen haben durch Eure Arbeit einen Lichtschein von der Herrlichkeit Gottes wahrgenommen.

Im Namen des Vorstandes des DEK wünsche ich Euch schöne Weihnachtstage und ein gutes, gesegnetes neues Jahr 2022.
Johannes Künzel
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